Presse

Ein Jubiläumskonzert für die Chorleiterin

Der langjährige 1. Vorsitzende Thomas Ehmann wurde anlässlich des Konzerts
zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.

Beim Konzert dabei „The Bettes“

Durch das Programm führte mit Witz und Charme der Stuttgarter Moderator und Sprechkünstler Herr Peter Gorges

Liederkranz Steinenberg hat Chorleiterin Katrin Schwarz für ihr zehnjähriges Engagement in der Gemeindehalle gefeiert

Von dem Mitarbeiter der Schorndorfer Nachrichten Ulrich Gerlinger

Rudersberg-Steinenberg. Zehn Jahre Chorleiterin Katrin Schwarz, ist das ein Anlass zum Jubilieren? Für den Liederkranz Steinenberg offensichtlich ja. Denn der jugendlichen Fachfrau ist es gelungen, einen fast schon dem Untergang geweihten Chor in kurzer Zeit wieder auf die Beine zu stellen.

Wenn ein Chorleiter, in diesem Fall Fritz Ricker, nach über 40 Jahren in den Ruhestand geht und dabei sehr breite Fußstapfen hinterlässt, ist das ein gewaltiger Einbruch in eine fest gefügte Sängergemeinschaft. Mit ihm gehen lang gediente Sängerinnen und Sänger und der Nachfolger hat es demgemäß schwer. Und wenn dann der Nachwuchs, auch durch mangelnde Jugendarbeit, ausbleibt, ist guter Rat teuer.

Wie Phönix aus der Asche

Im Jahr 2007 war das einst starke Ensemble auf 15 Choristen geschrumpft und damit nicht mehr singfähig. Und dann kam Katrin Schwarz wie ein Phönix aus der Asche, impulsiv, schwungvoll und energisch. Mit einem Stimmbildungs-Projekt begann es. Und siehe da, fast 20 Interessenten kamen und blieben, anfangs projektgebunden, später als feste Mitglieder.

Und dann ging es gleich in die Vollen, nicht mit kleinen, zögerlichen Einsätzen, sondern mit einem anspruchsvollen Volltreffer. Auch neun Jahre später ist Karl Jenkins „The armed Man“ noch in guter Erinnerung. Mit weiteren durchweg geistlichen Angeboten (darunter die Jazzmesse „Missa rotna“ oder Ariel Ramirezs „Missa criolla“) weckte Katrin Schwarz die Lust auf Neues, Unerhörtes. Dass dabei die Muttersprache etwas zu kurz kam, nahm man mit einigem Murren in Kauf.

Und jetzt, nach zehn Jahren der Reife, also ein musikalischer Rückblick, eine musikalische Zeitreise. Nicht mit den großen Werken, sondern mit Songs, Gesängen und Liedern, vor allem aus den so musikträchtigen siebziger Jahren.

„Kraut und Rüben“, so nannte es der Stuttgarter Conferencier, Sprech- und Wortkünstler Peter Gorges in seinen launigen Ansagen. Omnipräsent und eine unerlässliche Stütze am Klavier Urs Bicheler, inzwischen Kirchenmusiker in Wendlingen und Studienleiter für die Popmusik-Ausbildung in der Evangelischen Landeskirche.

Jugendarbeit, das hat sich der Liederkranz zu Herzen genommen. „Pop factory“, so nennen sich die zehn jungen Damen. Und mit bemerkenswerter Sicherheit präsentieren sie sich vor der ausverkauften Gemeindehalle.

Die Prinzen mit „Alles nur geklaut“ haben es ihnen angetan, und natürlich Robbie Williams „I love my Life“. Der gemischte Chor griff tief in die Erinnerungskiste der letzten zehn Jahre, etwa mit John Dowlands „Come again“ oder „Viele verachten die edele Musik“.

Die ausgeglichene Balance zwischen Männer- und Frauenstimmen, die perfekte Abstimmung mit der musikalischen Leiterin waren Merkmale des Auftritts.

Nach der Pause dann ein Ständchen der zehn Mannen des Männerchors mit „So lang man Träume noch leben kann“ der Münchner Pop-Rock-Band „Münchener Freiheit“, gefolgt von den drei Damen der „The Bettes“, ein Ohren-und Augenschmaus. „Bei mir bist du schön“, ein jiddischer Song im Swingstil und mehrsprachig dargeboten, das war ein weiterer Höhepunkt des Abends.

Glücksfee und Lieder-Lotterie

Eine Lieder-Lotterie, was ist denn das? Zwölf Titel von Songs der Liederkränzler hatte Peter Gorges auf großen Tafeln notiert und die Kopien der nummerierten Eintrittskarten sorgfältig in seinem Köfferchen verwahrt. Eine Glücksfee zog dann eine Nummer und der Ticketinhaber durfte sich einen Liedwunsch erfüllen. Eine originelle Idee, die die Halle mit Freude und Teilnahme erfüllte.

Nach diesem sehr erfolgreichen Rückblick geht es jetzt wieder weiter in neue Gefilde. Im nächsten Jahr steht wieder ein größeres Werk an. Weitere Details kann und darf Katrin Schwarz noch nicht enthüllen, weil die Vereinsspitzen noch nicht entschieden haben. Glückauf!

Die im Chor gelebte Heimat

Berührendes Konzert des Liederkranzes Steinenberg mit Liedern zum Thema „Frieden-Freiheit-Heimat“ am 7. Oktober 2017 in der Gemeindehalle Steinenberg

Sangen Lieder über kriegerischen Wahnsinn und Sehnsucht nach Frieden: Die Männer und Frauen des Liederkranzes Steinenberg. Bild: Schneider

 Von unserem Mitarbeiter Thomas Milz

Rudersberg-Steinenberg. Mit einem berührenden und zurecht vom Publikum gefeierten Konzert fragte der Liederkranz Steinenberg nach den uns alle bewegenden Themen „Frieden, Freiheit und Heimat“. Dies aber nicht nur im Lied, sondern es wurde wirklich (vor-)gelebt in den Chören selbst: Dem Liederkranz, seinem Jugendchor und dem Projekt Songfactory mit jungen Flüchtlingen, die unter der engagierten Leitung von Katrin Schwarz Heimat sicht- und hörbar machten.

Allzu oft in unserer Vergangenheit, und leider bis heute, ist „Heimat“ ein negativer Abwehr- und Verteidigungsbegriff gewesen. Gerade bei denen, die immerzu am lautesten von ihr sprechen. Dass aber „Heimat“ ein offener Ort unter den Bedingungen von Frieden und Freiheit ist, das machte nun mit einem so mutigen, wie klugen und berührenden Konzertprogramm der Liederkranz Steinenberg deutlich. Nein, sogar mehr noch: sinnlich und körperlich erfahrbar. Heimat wurde hier endlich einmal nicht nur beschworen. Sie war da – und wurde gelebt!

Lieder über den Wahnsinn des Krieges, die Sehnsucht nach Frieden

Vor vollem Haus eröffnete der große, gemischte Chor des Liederkranzes mit einer Folge von Songs über den kriegerischen Wahnsinn der Welt und zugleich ihrer Sehnsucht nach Frieden. Innig bewegt zu Beginn „Only Time“ der Sängerin Enya. Ein Stück, das inzwischen unlösbar mit dem Anschlag auf die New Yorker Twin-Towers 2001 verbunden ist. Eine „Mad World“, wie die Steinenberger mit dem nächsten Song (der Band „Tears for Fears“) dunkel und düster kommentierten. Nicht weniger anklagend das Lied „Leningrad“ (von Billy Joel), das danach fragt, „für was wird eigentlich gekämpft“?

Dagegen standen dann am Ende dieses Blocks zwei klassische Friedenshymnen der Pop-Song-Literatur. Einmal ein innig bewegtes „Hallelujah“ von Leonard Cohen und dann das nun auch schon fast ein halbes Jahrhundert alte „Imagine“ John Lennons mit der utopischen Schlusszeile: „Imagine all the People, living life in Peace.“

Ins Zentrum des Konzerts hatten die Rudersberger ihren Jugendchor zusammen mit den Flüchtlingskindern vom Projektchor Songfactory gerückt. Mit hellen Stimmen und doch mit großem Nachdruck sangen die Kids da ein Lied nach den Worten des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King: „I have a Dream“. Und das es nicht nur ein Traum sein muss, dass Menschen verschiedenster Farbe und Herkunft zusammen leben können, das zeigte dann schon der bunte Haufen der Kids selbst und der sichtbaren Freude, mit der sie da auf der Bühne standen – und gemeinsam sangen.

Ein ansteckendes „Ja“ zum Leben von Jugendchor und Songfactory

Ein lautmalerischer Spaß war denn auch das Lied „The Lion“, übrigens einfühlsam begleitet von Thomas Preiß (Klavier), Sven Arne Schneider (Gitarre) und Carlo Weißenrieder (Cajon und Djembe), die auch sonst die Chöre virtuos unterstützten. Großer Jubel von Anfang an für diese tollen Jugendchöre und erleichtert schüchternes Lächeln der jungen Sängerinnen und Sänger, dass es geklappt hat.

Das gipfelte in eine ergreifende Hymne auf das Leben „Love my Life“ (von Robbie Williams), in dem dieser heimatgemischte Jugendchor vor ansteckender Lebensfreude geradezu zu glühen schien und sein „Ja“ zum Leben mühelos auf das begeisterte Publikum übergriff. Und wo die Sprache mal nicht weiterführt, helfen die Gesten, wie am neuseeländischen „Epo i tai tai e“ mit belustigter Beteiligung des ganzen Saals zu sehen war. Nach der Pause war vom Liederkranz ein hymnisch drängendes „Lied an die Freude“ zu hören. Der große, zustimmende Applaus galt der immer noch ausstehenden Utopie des Dichters Schiller und Komponisten Beethoven: „Alle Menschen werden Brüder“ – oder Geschwister. Dass die Gedanken, auch die gedruckten, frei sein sollten, daran kann man, mit dem gleichnamigen Lied, auch heute leider nicht oft genug erinnern. Und vom Wunsch nach Freiheit handelte auch der Gesang „Von guten Mächten“ nach einem Text des Theologen Dietrich Bonhoeffer. Zu erwähnen bleibt, dass der große Chor die feinen Arrangements dieser Lieder, man erahnte die intensive Probenarbeit von Katrin Schwarz, mit wunderbar konzentrierter Transparenz zum Erklingen brachte.

Tränen des Glücks übers Gelingen bei der Chorleiterin

Besonders in der anspruchsvollen Sequenz „The Peacemaker“ (Die Friedensstifter) von Karl Jenkins war das zu genießen. Musikalisch unterschiedliche Kompositionen mit Texten von Mahatma Gandhi, dem Dalai Lama und anderen, entwarfen eine faszinierend meditative Beschwörung dessen, was Frieden sein kann. Gar nicht beschworen, sondern noch einmal zu hören und sehen war das dann im großen Schlusstableau, bei dem alle zusammen ein „We shall overcome“ anstimmten, vorne die jugendlichen Steinenberger und Flüchtlingskinder, „hand in hand“ nicht „some day“, wie sich der Protestsong erhofft, sondern eigentlich schon jetzt, auf der Bühne in Steinenberg. Beim finalen Gospel „Love shine a Light“ hatte das wohl auch das große Publikum gespürt und ging klatschend, ermunternd, gelöst mit. Am Ende großer Jubel und Begeisterung des Publikums über einen herausragenden Konzertabend. Und hat man da beim brausenden Applaus für ihre Sängerinnen und Sänger bei der famosen Katrin Schwarz ein paar Tränen im Auge gesehen? Vor Glück, dass so ein Projekt gelungen ist. Darüber, dass Heimat jetzt und hier gelingen kann.

Kreolische und Keltische Klänge am 11. und 12. Juni 2016

Zwei Messen – zwei Klangwelten. In einer Stunde erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer am Samstag in der Kath. Kirche Rudersberg und am Sonntag in der Petruskirche in Steinenberg, in welcher Bandbreite das Bekenntnis zu Gott musikalisch in der Messe Ausdruck findet.
Zu Beginn Lateinamerika: Unter dem Bildnis von Papst Franziskus, zu dessen Amtseinführung die Missa Criolla, die große Volksmesse des Argentiniers Ariel Ramírez erklungen war, setzten die rund 40 Sängerinnen und Sänger des gemischten Chors des Liederkranz Steinenberg ein. Aufregend anders für europäische Ohren, eine musikalische Ankündigung des neuen Stils, durch den der argentinische Papst die bislang abendländisch geprägte katholische Kirche belebt.
Getragen von dem warmen gehaltenen Klangteppich des Chors erhebt sich das Kyrie des Solisten. Tief spirituell und meditativ nimmt es musikalisch die Schlussbitte „Da no la paz“ – gib uns Frieden – vorweg. Ganz anders, nämlich rhythmisch jubelnd setzt das folgende Gloria ein. Die rund 40 Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Katrin Schwarz akzentuieren klangsicher, klar und kraftvoll bis zum erlösenden Amen, Amen, Amen. Fröhlich und ausgelassen, in der argentinischen Volksweise einer Chacarera trunca erklingt nun das Credo – im Wechsel mit den beiden Solisten, Marcos Herrera del Carril und Olivia Fink Musik, die verzaubert und zum Schwingen und Tanzen bringt – den Chor, aber auch das Publikum, das hingerissen nach jedem Stück applaudiert. Es darf, ja muss geklatscht werden – solche Musik will nicht nur gehört, sondern auch bejubelt sein. Weich – wie nicht von dieser Welt und doch beschwingt stimmt der Tenor das Sanctus an. Das Stück endet triumphierend mit dem Lobpreis des Herrn „Gelobt sei der da kommt -ˋBendito que vieneˋ. Zart beschwörend intonieren Tenor und Querflöte nun noch das Agnus Dei, die Bitte um Erlösung. Eine Ahnung von Wind und klarer Weite der Anden durchzieht das Kirchenschiff. Seufzend und schwebend schließt der Chor mit dem Ruf nach Frieden, den unsere Welt so schmerzlich braucht.

Wie finden Zuhörer und Musiker nach diesem Feuerwerk großer Emotionen den Weg in die dazu verhalten wirkende irische Spiritualität? Chorleiterin Katrin Schwarz schafft einen harmonischen Übergang, indem sie zwischen beide Messen je eine argentinische und einer irische Volksweise einschiebt. Diakon Weber nutzt als Hausherr der kath. Kirche die Gelegenheit, das Publikum zu begrüßen. und weist auf die verbindende weltumspannende Gültigkeit der katholischen Messe hin. Eine schlichte irische Weise, wundervoll intoniert von Isabel Kaufhold an der Flöte, gefühlvoll begleitet von Urs Bicheler am Klavier, fungiert als musikalisches Vorspiel für die folgende Mass of the Celtic Saints von Liam Lawton. Während die Missa Criolla vom Wechsel der Rhythmen lebt, setzt die irische Messe auf Wiederholung und Variation, auf Meditation und Beschwörung. Dies erreicht der Chor im Gloria durch den vollen vielstimmigen ineinander fließenden Lobpreis. Immer wieder schlagen Flöte oder Sopran ein neues Thema an, das der Chor aufnimmt, und im Wechsel der Stimmen oder mit der Flöte variiert und mit vollem warmem Klang zum Ende führt.

Ein rundum gelungenes Hörerlebnis, in dem der Liederkranz Steinenberg wieder einmal seine Begeisterungsfähigkeit und musikalische Vielfalt beeindruckend unter Beweis gestellt hat.

 

  Heiße Rhythmen, schwäbische Dramatik – 05.07.2015


Eine kurzweilige und musikalisch abwechslungsreiche Matinee bot der Steinenberger Liederkranz am vergangenen Sonntag im Rudersberger Rathausfoyer.

Den Anfang bildeten heiße Rhythmen von Les Humphreys, soulig begleitet von Claudia Erlenbusch. Die romantischen Liebesballaden von u.a. Bette Midler,John Lennon und Leonard Cohen sind seit dem Liebesliederkonzert im vergangenen Jahr bewährter Teil des Repertoires und wurden vom Chor gefühlvoll vorgetragen.

In Argentinien findet Karneval anders als bei uns bei hochsommerlichen Temperaturen statt. So gesehen passte das von den beiden Interpreten Olivia Fink und Marcos Herrera del Carril gewählte Stück„Carnaval del duende“ hervorragend in das unter der sommerlichen Hitze glühende Rudersberg. Mit drei Stücken von zart und dahinschmelzend bis feurig exotisch stimmten die beiden Musiker mit argentinischen Wurzeln, Fink und Herrera, die Zuhörerinnen ein auf das kommende Programm des Chors: die Missa Criolla des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez. Begleitet auch von traditionellen Instrumenten der Andenregion spiegeln die einzelnen Teile der Messe typische Musikstile und Rhythmen verschiedener Regionen Argentiniens wieder.

Musikalisches – und sprachliches Neuland betrat der Liederkranz dann nach der Pause: Zunächst mit der Suite Logik in der 4 Gedichten von Jaochim Ringelnatz, vertont von Johannes Mattias Michel. Chorleiterin Katrin Schwarz dirigierte ihren Chor mit viel Verve, mit offensichtlich großem Spaß gestalteten Sängerinnen und Sängern die kurzen Lieder, etwa über einen verlorenen Bumerang, der bumerang, bum, bumerang, nicht mehr zurück kam, oder über zwei Ameisen, die ihr Reiseziel Australien bereits auf der Altonaer Chausee wegen müder Beine aufgeben.
Gekonnte einfühlsam, antreibend, mitreißend begleitete Thomas Preis über das ganze Konzert die musikalischen Stilwechsel.
Der musikalische Schluss und Höhepunkt bildeten 3 schwäbische Stücke. In einer Neuinterpretation zeigte der Liederkranz, wieviel Dramatik, und Aberwitz ein schwäbisches Volkslied wie „Auf dr schwäbschen Eisebahne“ entfalten kann. Beim Wolle Kriwanek Stück „I fahr Daimler“ legten die Männer musikalisch noch einen Gang zu und schwelgten in schwäbischen Männerträumen.

Begeisterung ist ansteckend. Wieder einmal überzeugten die Steinenberger Sänger und Sängerinnen samt Chorleiterin Schwarz und Pianist Preiß in einem mitreißenden Konzert ihr Publikum.

 

 

Schorndorfer Nachrichten

Schorndorf und Umgebung – 15.04.2015

Bis weit nach Mitternacht gerockt

Die „Luxu$band“ in Aktion. Foto: ZVW

„Luxu$band“ begeistert bei V.I.P.-Party-Nacht in Steinenberg

Rudersberg-Steinenberg. Bis weit nach Mitternacht wurde am Wochenende mit der „Luxu$band“ gerockt: Der Liederkranz Steinenberg hatte mit der Rock- und Partyband zur zweiten V.I.P.-Party-Nacht eingeladen.

Anfangs füllte sich der Saal nur spärlich, und die Veranstalter dachten schon, dass nur wenige die Band mit Drums, Bass, Keyboard, Gitarre sowie zwei Sängerinnen (Claudia Erlenbusch und Corina Klotz) und Sänger Carsten Berger zu schätzen wissen.

Doch dann füllte sich der Saal. Der Rahmen war einladend: Nicht nur der rote Teppich am Eingang, der jeden Gast zum V.I.P. machte und die Möglichkeit zu Fotos gab, beeindruckte, auch das Catering. Es gab eine Bar, und der Liederkranz bewirtete. Als die Band mit Liedern aus den 70er bis 90er Jahren und aktuellen Titeln loslegte, staunten alle über die Darbietung. Bald waren alle am Mittanzen, Mitraven oder Mitsingen, Partylaune kam auf. Die Sängerinnen zeigten in vielen Liedern ihr Talent wie bei „Walking on sunshine“, „Heavy cross“, „You shook me all night long“. Der Sänger überzeugte in „Play that funky music“ oder „Uptown funk“. Die Instrumentalisten und der Mixer standen dem nicht nach. Die Halle hätte noch etwas mehr Gäste aufnehmen können. Es war aber erst das zweite Mal, im nächsten Jahr geht’s weiter, schreibt der Verein.

 

Schorndorfer Nachrichten
Schorndorf und Umgebung – 08.07.2014

Von Thomas Milz

Geburtstagsständchen mit Rosenbogen

 

Frivol wie noch nie präsentierte sich der Liederkranz Steinenberg beim Geburtstagskonzert dem Publikum

Mit einer musikalischen „amoureusen Revue“ beschenkte der Liederkranz sich selbst und sein zahlreiches Publikum

Rudersberg-Steinenberg.

Zwar schon 125 Jahre alt, aber so jung, beschwingt und sogar ein bisschen frivol wie wohl noch nie! So jedenfalls wirkte der große Chor des Liederkranzes Steinenberg bei seinem Geburtstagskonzert, das sich unter dem Motto „Liebe, Laster, Leidenschaft“ – ganz im Zeichen der Rose– lustvoll dem Amourösen in Lied und Leben hingab.

Wer in den großen Saal der Steinenberger Gemeindehalle wollte, musste am Einlass unter einem symbolträchtigen kleinen Rosenbogen durchschreiten. Eine romantische Schwelle der Verwandlung in die glutvoll rötlich ausgeleuchtete Halle. Aber Vorsicht: Rosen haben Dornen! Liebeswunden können sich heiß entzünden. Und mit „The Burning Sun“ zog denn auch der Chor ein und versetzte damit gleich zu Beginn das Publikum in höhere Temperaturen. Dazu trug dann auch der Stuttgarter Wortakrobat Peter Gorges als pfiffig-melancholischer Conférencier und Sänger bei. Mit Koffer, großgemustertem beigen Anzug, Fliege und Bowler, war er ganz nervöser Großstadtmensch aus der Zeit der Jugendjahre des Liederkranzes. Mit clownesk traurigen Augen-Blicken eroberte er im Nu das Steinenberger Publikum.

Eine sommerliche Augenweide war auch der hell-gewandete Chor mit jeweils rotem Farbtupfer, sei’s Rose oder Tuch, und besonders auffallend war, mit welcher konzentriert gelösten Hingabe sich die Sängerinnen und Sänger ihre Songs anverwandelten. Man spürte, dass das wohl viel mit der mitreißend-engagierten Arbeit der Chorleiterin Katrin Schwarz zu tun hat. Der junge Liederkranz dankte es mit großer stimmlicher Finesse, mit Power und Lust!

„Marina, Marina, Marina –

oh no no no no no no!“

Und um Lust ging’s ja überhaupt in diesem finger-schnippischen Konzert. Da wurden „Your Shining Eyes“ besungen, in denen man versinken kann, und dann sind danatürlich alle die titelgebenden Frauennamen, die einen ganzen erotischen Kosmos des Anhimmelns eröffnen. Mit einer fetzigen Version „Barbara Ann“ von den Beach Boys erntete der Chor mit der famos stimmgewaltigen Solistin Claudia Erlenbusch erstmals hingerissenen Jubel und richtig zum Schmelzen geriet man beim Klassiker „Marina“ aus den 50ern: „Du bist ja die Schönste der Welt. Dein Chic und dein Charme, der gefällt!“ Schlager-Poesie, die „oh no no no no no!“ nicht mehr aus dem Kopf geht. Dabei erwies sich die kleine feine Live-Combo der „Sultans“ mit dem Pianisten Thomas Preiß als vielseitig Akzente setzende Begleitband mit vollem Drive sowohl als verhaltener Dezenz. Also galt es innig zu gestehn, „I can’t help falling in love with you“, um danach die bange Frage zu stellen „How deep is your Love?“. Doch mit „Silbermond“ wurden die Zweifel beherzt beiseitegewischt:„Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Es ist schön, dass es dich gibt!“

Klar aber wurde bei diesem Konzert (augenzwinkernd) deutlich gemacht, wo der Hammer eigentlich hängt: bei den Frauen natürlich. Nach einem souligen „Stand by your man“ verließen die Sängerinnen die Bühne, machten sich frech und frei auf in die Pause und ließen den bedröppelten Männerchor einfach stehen.Tja, so sieht heute Treue aus! Abschied und Ankommen, zwei große Liebesthemen, denen sich der Chor dann etwa mit der bewegenden Ballade „I am Sailing“ und einem zum Geschlechterkampf aufgerüsteten „Hit the Road, Jack!“ widmeten. Richtig krachen ließen es – vor allem die Damen – mit Spider Murphys Fetzer „Skandal um Rosie“ und ihrer „Randale im Sperrbezirk“. Danach gab’s Jubel für den jungen Liederkranz! Den erntete auch noch einmal Peter Gorges mit dem abgründigen Chanson „Ich bin dein Nachtgespenst“ von Friedrich Hollaender. Ein bisschen ein Vorläufer des „Midnight Rambler“, den Gorges zwischen Nick Knatterton und Nosferatu schillern ließ.

Ein tolles Konzert als leidenschaftliches Geburtstagsgeschenk.

 

Liederkranz unterstützt heiße Rhythmen

Wer hätte es gedacht, am Samstag, dem 30.11.2013 lud der Liederkranz Steinenberg gemeinsam mit der Rock- und Partyband „LuxuSband“ zu einer Party-Nacht ein. Einlass war um 19:00 Uhr und die Party dauerte bis ca. 01:30 Uhr.
Anfangs füllte sich der Saal nur spärlich und die Veranstalter dachten schon, dass nur wenige die 8-köpfige „LuxuSband“ mit Drums, Bass, Keyboard und Gitarre sowie zwei Sängerinnen (Claudia Erlenbusch und Julia Pfarr) und zwei Sängern (Antonio Iovine und Carsten Berger) zu schätzen wissen.
Doch noch bevor die Band um 21:00 Uhr zu spielen begann, füllte sich der Saal mit vielen Gästen, die die Qualität der Band und das Engagement der Veranstalter würdigten. Auch der Rahmen war entsprechend einladend. Nicht nur der rote Teppich am Eingang, der jeden Besucher zu einem V.I.P. machte und die Möglichkeit gab ein eigenes V.I.P.-Photo zu erhalten, beeindruckte, sondern auch das Catering. Es gab eine Sektbar und der Liederkranz Steinenberg verkaufte Getränke und belegte Brötchen. Für ein rundum Wohlfühlpaket der Rock- und Partymusik war also gesorgt. Auch den beiden Ordnungshütern wurde bei ihrem Pflichtbesuch schnell klar, dass bei dieser Veranstaltung alles in Ordnung war.
Als die Band dann mit vielen Liedern aus den 60-er bis 90-er Jahren loslegte und mit „In the summer of 69“ viele Generationen der Zuhörer ansang, staunten alle über die ausgereifte Darbietung. Bald waren alle am Mittanzen, Mitraven oder Mitsingen, also schlicht am Mitmachen, sodass echte Partylaune aufkam.
Die beiden stimmgewaltigen und dabei wohlklingenden Stimmen der Sängerinnen zeigten in vielen Liedern ihr Talent wie z. B. bei „Upsight down“, „Dancer for money“ und ließen Kinnladen vor Staunen nach unten fallen oder die Sänger überzeugten z. B. in „We are the Champions“ und alle machten deutlich, dass sie ganz klar dem Profibereich zuzuordnen sind, auch wenn einige behaupten, Amateure zu sein.
Die Instrumentalisten standen dem in Nichts nach und der Mixer harmonierte hervorragend zu dem Geschehen auf der Bühne. Die Halle hätte allerdings doch noch etwas mehr Gäste aufnehmen können und sicherlich wären noch mehr gekommen, hätten sie gewusst, welch grandioser Ohrenschmaus der Rock- und Partymusik – zugegeben in entsprechender Lautstärke – dort geboten wurde.
Die Veranstaltung, die Band und der Liederkranz hätten sich gefreut, diesen Genuss noch mehr Interessierten vermitteln zu können. Nun denn, das war vielleicht ein erstes Mal und auf einem Bein kann man bekanntlich nicht stehen. wh

 

Schorndorfer Nachrichten
Schorndorf und Umgebung – 27.11.2012

Modernes Gotteslob mit viel Freude

Von Peter Skobowsky

 

Katrin Schwarz (vorne) und ihre Sängerinnen und Sänger begeisterten am Totensonntag beim Liederkranz-Konzert das Publikum in der Petruskirche.
Foto: ZVW

Kein getragenes Konzert in Steinenbergs Petruskirche am Totensonntag, sondern eines, das dem Herrn ein neues Lied sang

Rudersberg-Steinenberg.

Man weiß nicht, worüber man sich am meisten freuen darf: eine voll besetzte evangelische Petruskirche mit einem Konzert am Totensonntag, zwei Chöre mit zwei Solisten, eine vielseitige Begleitung mit Orgel, Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug, ein beeindruckendes Programm oder eine nicht minder beeindruckende Leistung?

Das Schwärmen darüber ist keineswegs übertrieben, zumal man eine Dorfgemeinschaft erlebte, in der Jung und Alt herbeigeströmt waren, zwei kraftvolle Chöre mit einer temperamentvollen Dirigentin, die fein zu differenzieren wusste und so das Publikum nachhaltig begeistern konnte.

Am Totensonntag denkt man eher an getragene Musik. In Steinenberg machte man dem zweiten Namen „Ewigkeitssonntag“ alle Ehre. Schon die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeinde aus Psalm 98,1 und Epheser 5,19 hatte dazu aufgefordert, dem Herrn ein neues Lied zu singen und zu spielen. Dieser Impuls wurde – unbewusst oder nicht – mit großer Hingabe eingelöst. Den Anfang machte der Männerchor des Liederkranzes Welzheim mit einer originellen Messvertonung von Charles Francois Gounod, der dem ersten Bach’schen C-Dur-Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“ jene legendäre Melodie hinzukomponiert hatte, bekannt als „Ave Maria“.

Die vorgetragene Messe für Männerchor und Orgel verströmt eine wunderbare Romantik in allen Teilen, mehrstimmig, auch die vorgesehenen Soloteile chorisch ausgeführt. Der obligate Orgelpart an der erst 2007 von der Süßener Werkstatt Scharfe gebauten Orgel mit 20 klingenden Registern war bei Thomas Preiß in besten Händen. Er begleitete durchaus zupackend, aber nicht zudeckend, mittels Schweller und klar zeichnender Registrierung die Dynamik des Chores konsequent mitvollziehend. Und die Männer bestachen durch eine schöne Klangmischung bei strahlenden ersten Tenören. Selten ist ein so guter Männerchor zu erleben. Die namenstypisch kurze Messe (ohne Credo – Glaubensbekenntnis) legte die liturgischen Teile treffend aus, mit Hingabe auf der Orgelempore musiziert.

Der zweite Teil gehörte dem Gemischten Chor des Liederkranzes Steinenberg. In der Pause kam Pfarrer Stefan Nemesch der Bitte nach, etwas zur Messe zu sagen. Das gelang ihm in einer Mischung aus Sachinformation und behutsamer Annäherung an die liturgische Feier vorzüglich. Ein Katholik, seit Kindesbeinen an damit vertraut, hätte es nicht treffender und schöner tun können!

Thomas Preiß saß jetzt am Keyboard und leitete von dort aus sechs seiner Sätze für gemischten Chor und Klavier. Neu in Inhalt und Form trafen seine Kompositionen Geist und Art der neuen Lieder, die sich wohltuend von manchem abheben, was unter „Neues Geistliches Lied“ – eher trivial und nur modisch – angedient wird. Da gab es eine passende Deutung der bekenntnishaften Dank- und Bittlieder, gewissermaßen ein Zwiegespräch mit Gott in allen Lebenslagen: in einer Musiksprache auf Höhe der Zeit: rhythmisch, melodisch im Chorsatz samt toller Begleitung, so dass nach spätestens zwei Liedvorträgen Zwischenbeifall aufbrandete, was sich bis zum Schluss durchzog. Das war modernes Gotteslob zur Freude der großen Hörergemeinde.

Die „Missa Rotna“ riss die Hörergemeinde mit

Der dritte Teil beinhaltete die „Missa Rotna“ des Dänen Bent Peter Holbech – eine Jazzmesse mit Pop- und Gospelelementen und afrikanischer Folklore (die Rotna ist ein Fluss). Das Werk wurde für den Staatschor von Ronne und Bornholm (1978 uraufgeführt) geschaffen. Da konnten sich die Mitglieder des Gemischten Chores förmlich austoben. Der hohe sängerische Anspruch (Tonumfang, ordentliche Höhe für Sopran und Tenor), auch für die Chorsolisten Carolin Weiß und Maximilian Stütz, bewirkte eine lebendige Interpretation, von den Instrumentalisten Thomas Preiß, Eckard Russ, Alexander Rieger und Martin Müller mit Schwung und Pfeffer begleitet. Eine kaum zu toppende Begeisterung, welche die Hörergemeinde mitriss. Rhythmische Sicherheit (Taktwechsel und Rhythmen oft gegeneinander), dynamische Differenzierung und ein williges Mitgehen mit den klaren Vorgaben einer bestmotivierten und -motivierenden Dirigentin Katrin Schwarz, das konnte einfach nur anstecken. Dies bescherte zwei Zugaben, wobei in der zweiten die Gemeinde kräftig mitmischen musste! Das Gospel-Amen erfuhr rhythmische Variation und Kanon zwischen Frauen und Männern, mit Bravour gemeistert.


Schorndorfer Nachrichten
Rems-Murr-Rundschau – 28.10.2011

Liederkranz grünt wieder

Erinnerten am Samstag mit Hits und frischen Farben an die Hippiezeit: Sängerinnen und Sänger des wieder erstarkten Liederkranzes Steinenberg beim Konzert in der Gemeindehalle. Foto: ZVW

Vor vier Jahren kaum noch 15 Leute, nun gibt’s in Steinenberg einen stattlichen Chor mit 40 Sängerinnen und Sängern

Rudersberg-Steinenberg. Dem Liederkranz Steinenberg ging es seit 2005 so, wie es heutzutage manchem Chor geht, wenn der langjährige Dirigent aufhört und große Fußstapfen hinterlässt. Die Sängerschar schrumpfte altershalber. Nachwuchs war kaum in Sicht. Man trennte sich von zwei Dirigenten in zwei Jahren, war mit weniger als 15 Sängern Ende 2007 nicht mehr singfähig. Indes: Danach gelang eine bemerkenswerte Wende.

Am vergangenen Samstagabend lud der stark verjüngte, wieder kräftige Chor um Katrin Schwarz, der in den Frauenstimmen richtig gut besetzt ist und im Tenor und Bass noch Verstärkung brauchen könnte, zu einem Konzert in die Steinenberger Halle. Vor fast vollem Haus ließ man die Hippiezeit wieder aufleben. Knallige T-Shirts, Jeans und Pink bestimmten das Bild. Das Programm – eine Art Wunschkonzert auch für die Sängerinnen und Sänger, mit drei Instrumentalisten und zwei Solistinnen aus den eigenen Reihen (Claudia Erlenbusch und Julia Pfarr) – kam gut an. Das Publikum spürte den hohen Wohlfühlfaktor und das Engagement und war happy.

In den vergangenen drei Jahren, gemeinsam mit den Welzheimer Sängern, hat man durch eine anspruchsvolle, moderne Sakralmusik, „The Armed Man – A Mass Of Peace“ von Karl Jenkins, zu der auch der Ruf eines Muezzins gehörte, in der ganzen Region Aufmerksamkeit erregt. Die Hallen in Welzheim, Rudersberg, Ende 2009, und Schorndorf im Februar 2011 waren voll. Jetzt war es für den durch die Erfahrungen und die damit verbundene Horizonterweiterung gefestigten Chor, bei leichterer Kost, sozusagen ein musikalisches Durchatmen. An Weihnachten 2012 möchten Katrin Schwarz („sonst bröselt es“) und die Vereinsverantwortlichen um Vize Andrea Tenhumberg und Schriftführerin Angelika Pfarr (Notenwartin Veronika Lutz möchte etwas kürzertreten) wieder etwas Größeres angehen. Es muss ja nicht gleich Bachs h-Moll-Messe sein.

Wie kam’s, dass man erst vom Liederkranz zum Projektchor und dann wieder zum Liederkranz wurde? Nach dem Rücktritt des Urgesteins Friedrich Riker (heute Spätlese-Dirigent) nach 42 Jahren im Jahre 2005 stimmte beim ersten Nachfolger die Chemie nicht, beim zweiten waren die Anforderungen etwas hoch. Thomas Ehmann, damals und bis Anfang 2010 Vorsitzender (jetzt wichtiger Bass), Veronika Lutz, Angelika und Wolfgang Pfarr wagten den Neubeginn mit Dirigentin Katrin Schwarz und dem Projekt „Stimmbildung“. Man suchte bewusst Leute ohne sängerische Vorkenntnisse, die ihre Stimmen kennenlernen, sich wahrnehmen und wahrgenommen werden wollten, auch Menschen, die das Singen ohne Peinlichkeit kennenlernen wollten über die Verbindung von Stimme, Atem, Körper und Haltung. In der Anfangszeit gab es nur kleinere Auftritte, Projekte über wenige Wochen. Mit Möglichkeiten, danach beim Singen wieder eine Pause einzulegen.

Die wichtige Balance zwischen Stamm- und Projektsängern

Damals galt es, die Balance zu finden zwischen Verein, Stammchor und jungen Sängern, zwischen erfahrenen Chormitgliedern und Neulingen. Wie dies, auch der Generationswechsel, gelang, da ist Katrin Schwarz des Lobes voll. Da seien Leute „ohne Murren und Knurren“ ins zweite Glied gegangen, „ohne Gezerfe, das habe ich so noch nie erlebt“. Auch das „Pragmatische“, Leute nicht zum Engagement zu zwingen, sondern auf Freiwilligkeit zu setzen, sie nicht zu sehr zu verpflichten, gefällt ihr.

Der Steinenberger Liederkranz, der seine Beiträge anhob und zugunsten berufstätiger Mitsänger mit Familienpflichten seine Erwartungen zur Mithilfe bei Festen nach unten schraubte, hat sich geöffnet. Etwa ein Drittel der Sängerinnen und Sänger wohnt nicht im Dorf. Vier von ihnen reisen sogar aus Geradstetten an zur wöchentlichen Singstunde im Vereinszimmer der Gemeindehalle, die dienstags um 19.30 Uhr beginnt. Die Steinenberger wiederum bilden unkompliziert einen etwas kleineren eigenen Sonderchor für besondere Anlässe wie Beerdigungen oder Geburtstage örtlicher Honoratioren.

Die Zahl der Ständle etwa für altgediente Sänger(innen) hat man ordentlich reduziert, indem man zum gemeinsamen Jubiläumsabend lädt, der erstaunlich gut angenommen wird. So ist aus dem Projektchor wieder der Liederkranzchor geworden.

 

Schorndorfer Nachrichten
Rems-Murr-Rundschau – 30.11.2009

Den Waffen die Stimme nehmen


Die ganz außerordentliche Premiere des Welzheimer/Steinenberger Projektchors mit der Friedensmesse von Karl Jenkins

Unerhört gut präsentierte sich der durch das Chorprojekt des Liederkranz Steinenberg erweiterte Liederkranz Welzheim mit der Friedensmesse des walisischen Popmusikers und Komponisten und Karl Jenkins ,The armed man: a mass for peace“ Bild: Bernhardt

Welzheim/Rudersberg.So noch nicht gehört. Und unerhört gut. Eindrucksvoll hat der erweiterte Liederkranz Welzheim mit der Friedensmesse des walisischen Popmusikers und Komponisten und Karl Jenkins ,,The armed man: a mass for peace“ eine Premiere hier in der Region hingelegt.
Noch an Ort und Stelle, in der Justinus-Kerner-Halle, war der Geist zu spüren. So wenn derImam der Welzheimer Moschee, Sitki Yilmaz, in der Messe als Muezzin eingesetzt, die Hand aufs Herzlegt als Dank für den übergroßen Beifall auch und gerade bei der Nennung seines Namens.
So etwas hat es noch nicht gegeben im Chorwesen hier in der Gegend. Über eine Stunde Gesang von Laien, ohne dass sie eine Zeile in ihrer Muttersprache singen. Die junge Chorleiterin KatrinSchwarz hat dies unter dem Eindruck des Krieges im Kosovo entstandene Werk zum 180er-Jubiläum des Traditionsvereins vorgeschlagen und bekam alle im Verlauf des Diskussionsprozesses hinter sich. Und nun ist die Kunde in der ganzen Stadt, ausgehend von der voll besetzten Kerner-Halle. Der Liederkranz-Vorsitzende Werner Buhl hat die Laudation auf die Überzeugungs- wie Übungsarbeit der Dirigentin hernach am Rednerpult selbst in ein Hohes Lied gefasst.
,,Ihre Begeisterungsfähigkeit, Ihr Engagement, Ihr Können – heute haben Sie Ihre Meisterprüfung abgelegt.“ Buhl, selber eine der hundert Stimmen im Projektchor zusammen mit den Steinenbergern, sprach von einem ,,unvergesslichen Konzert“. Und es hörte sich nicht nach Selbstlob an. Es war einfachAusdruck einer allgemeinen Überzeugung, dargetan in kaum enden wollendem Applaus der stehenden Menge.
Das Eingangslied im 13-teiligen Werk bildet die Klammer und macht selbst eine Entwicklung durch. Im französischen Soldatenlied aus dem Mittelalter geht es im Marschtakt wahrlich mit Pauken und Trompeten los, das wütende Volk wird aufgerufen, den ,,eisernen Harnisch“ anzulegen. Schlagwerk, Tambour-Flöte und die sich mehrstimmig potenzierenden Sangesheerscharen erzeugen einen repetitiven Sog innerhalb des Songs, der als Fanal pure Kriegsbegeisterung aussende. Am Ende, innerhalb des Katharsis-Stücks ,,Better is Peace“, tauchen nochmals die Motive von ,,L’homme armé“ auf, nun wie gewendet: Auf dem Rückzug, kleinlaut-zart wie zur Befreiung von einer Menschheitsgeißel. Wir dürfen noch einmal hoffen. Der Text dazu, in Englisch, stammt in Teilen aus der Offenbarung des Neuen Testaments. Es heißt, ,,Läutet den beherzten und freien Menschen ein. Läutet den Christus herein, der sein wird.“ Vom hundertköpfigen Chor, von der Solistin Anja Koschuhar, generell prononciert artikuliert. Ein Aufeinananderhören von Chor und 20-köpfigem Orchester, eine Transparenz, die selbst schon dialogische, herrschaftsfreie und sozusagen entwaffnende Qualitäten hat.
Nach dem voll im Geiste des Bellizismus intonierten Soldatenlied zu Beginn tritt Sitki Yilmaz in weißem Ornat ans Mikrofon und formt die Silben nach Art der uns so unvertrauten arabischen Skalen zu einem enervierenden, nein: enervierend schönen, auch unter musikästhetischen Gesichtspunkten interessanten Gebetsruf. Moschee und Minarett, hier in diesem Abend sind sie niederschwellig zu betreten. Dies in einem Klangraum, der ansonsten dem abendländischen Choral und Oratorium vorbehalten ist. So aber können wir uns vorstellen, wie überall im Orient gerufen wurde vor dem Heranmarsch der christlichen Kreuzritter: ,,Allahu Akbar, Ichbezeuge, dass es keinen anderen Gott gibt außer Gott.“ Den Muezzin einzubauen war allemal ein Gebot der Stunde für den Komponisten Jenkins, keine andere Ethnie hat im Balkankrieg so gelitten wie die Muslime.
„Herr, gewähre uns die Kraft zu sterben“
Es geht weiter mit zwei Werken des Christlichen Kanons, den zürnenden und strafenden Gott im Munde führend. Da wird ausgerufen, ,,Herr, gewähre uns die Kraft zu sterben“, bis es in ,,Charge“, Angriff, zum Umschlag kommt. Hohe und höchste Frauenstimmen, auch sie in Kriegsbegeisterung, gehen vom Singen  in Schreien über, dann aber insLamentieren.
Schließlich Stille. Die Entfaltung dieser Dynamik mit an- und abschwellendem Schlachtengetöse allein lässt im Zuhörer einen Schauder aufsteigen, der einen zur Entschiedenheit bringen kann: zusammen einstehen für eine Welt, in der Waffen keine Stimmen mehr bekommen. Es folgt ,,Angry Flames“, das Stück wie unter Schock des Texters Toge Sankichi, geschrieben im Widerschein des atomaren Feuers von Hiroshima 1945. Die Lichtregie fährt die Regler auf Totalaus, nur noch die Pultbeleuchtungen schimmern, Moll-Akkorde umzüngeln die letzten Worte: ,,Starr im Tod, ein schwelender Fluch.“ Ein Requiem, nach dem eigentlich nichts mehr kommen kann. Außer dem vielleicht: ,,Now the Guns have stopped“, jetzt schweigen die Waffen. Text: Guy Wilson, geschrieben im Jahr 2000. Er, der Leiter des britischen Kriegsmuseums, gab das Werk bei Jenkins in Auftrag.
Die Friedensmesse ist gesungen. Werner Buhl löst sich aus dem Chor, tritt zu den beiden Vertretern der Welzheimer Moschee. Stattet Dank ab, und Sitki Yilmaz antwortet: ,,Es war mir eine Ehre.“

Schorndorfer Nachrichten

Rund um Schorndorf – 12.03.2009

Fast 100 Sängerinnen und Sänger aus Steinenberg und Welzheim probten am Samstag, geleitet von Katrin Schwarz, erstmals gemeinsam an dem Friedenswerk „The Armed Man“ von David Jenkins, das Kriegs- und Friedenstexte verschiedener Religionen birgt, darunter eines verstrahlten Japaners, der nach der Hiroshima-Bombardierung 36-jährig an Leukämie starb.
Bild Habermann

Herausfordernd: The Armed Man

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Pfrommer

Rudersberg/Welzheim. „Die letzte halbe Stunde üben wir im Stehen“ – Dirigentin Katrin Schwarz und die 100 Sänger der vereinigten Chöre der Liederkränze Steinenberg und Welzheim sind am Samstag körperlich und stimmlich gefordert, als es bei der ersten gemeinsamen Probe für „The Armed Man – A Mass For Peace“ auf die Zielgerade geht. Noch einmal ist Aufeinander-Hören gefragt, exakte Einsätze, Aussprache. Mal fließen die Töne ruhig, mal sind Marsch-Rhythmen angesagt.
Im Stehen lässt sich die Wachheit und Konzentration besser halten, und letztlich ist die Dirigentin, die ebenfalls stehend am Klavier begleitet und zugleich Einsätze gibt, zufrieden: „Okay, das würde ich gern so stehen lassen.“ Sie ist auch zufrieden mit dem Zusammenklang. „Ich glaube, dass auch die Chemie zwischen den beiden Chören gut funktioniert.“ Tatsächlich sind die Welzheimer sehr angetan von der „tollen Gastfreundschaft“ (selbst gebackenes Süßes und Salziges), die sie in der Steinenberger Gemeindehalle erfahren haben. Die Welzheimer Sänger besorgen sich auch amüsiert die Textblätter, in denen Steinenberger Sprachkundige Passagen wie „by overhanging cloud, the shroud that mushroomed out“ ins Schwäbische übersetzt haben: „Bai ouwerhänging klaud, de schraud dät maschruhmd aut“. Wie pfiffig!
Der englische Musiker und Komponist Karl Jenkins (* 1944) hat seine im April 2000 in der Royal Albert Hall in London uraufgeführte Messe „Der bewaffnete Mensch“ unter dem Eindruck der blutigen Eskalation des Balkankrieges komponiert. Er bezog dabei den Gebetsruf eines Muezzins mit ein in eine Messe, und letztlich verbinden sich Christen und Muslime zu einem Friedensgebet. Das Werk birgt – nach neuen blutigen Ereignissen wie dem 11. September, den entfesselten Kriegen in Irak und Afghanistan, weiteren Terrorakten – bei Aufführungen auch einen heiklen Punkt: Lässt sich der Teil mit dem Gebetsruf „Allahu Akbar“ in einer Kirche singen, ohne dass Leute auf den Plan treten, die dadurch das Abendland in Gefahr sehen? An einem „profanen Ort“ ist’s wohl möglich. „Es ist eine spannende Frage, auf die wir noch keine Antwort haben“, sagt Katrin Schwarz zum Thema Aufführung in einer Kirche. Es ist ein Friedenswerk. Es soll nicht religiöse Gefühle verletzen.
Auch Chormitglieder waren anfangs skeptisch. Etwa der Steinenberger Liederkranz-Vorsitzende Thomas Ehmann. „Inzwischen g’fallt’s mir“, sagt er. Das Werk verschweigt nicht Emotionen, Begeisterung der in den Krieg, in die Schlacht Ziehenden – etwa im 1687 von John Dryden geschriebenen „Charge!“ (Angriff!) oder im „Lobgesang vor der Schlacht“ („Hymn before Action“, 1896) von Rudyard Kipling. Da zielt das Gebet auf das Segnen der eigenen Seite. Später schildert es das Grauen, die Sinnlosigkeit, mündet in einsichtsvollen Zeilen, die Trauer um sinnlose Opfer in den Mittelpunkt stellen und, dass nur allumfassender religionsübergreifender Friede die Ära der Kriege beenden wird.
Ein Text stammt von einem Opfer von Hiroshima, das an Leukämie stirbt
Der Titel des Werks geht auf das französische Lied „L’Homme arme´“, 15. Jahrhundert, zurück. Es enthält Kriegs- und Friedens-Texte der Religionen und Epochen. Etwa von einem Hiroshima-Überlebenden, der an Leukämie stirbt. Vieles wird auf Englisch gesungen, manches auf Französisch, Messe-Teile wie Kyrie und Agnus Dei auf Lateinisch. All das ist sängerisch ebenso wie inhaltlich herausforderd für die Schar, in der sich neben altgedienten erfahrenen Chorsänger(inne)n auch einige Projektsänger(innen) befinden, die sich im Februar 2008 auf das erste Stimmbildungs-Projekt des Liederkranzes Steinenberg eingelassen haben und seither Geschmack und Freude am Singen gewonnen haben. Bei den Aufführungen werden sie von Gesangssolisten, Streichern, Percussionisten und Bläsern unterstützt bei den musikalischen Zitaten aus allen Zeiten – Gregorianik, Palestrina, südamerikanischer und keltischer Folklore, Marschrhythmen und Fanfaren.

Noch vor einem guten Jahr am Nullpunkt

Der Liederkranz Steinenberg hat in diesem Jahrtausend schon eine kräftige Krise hinter sich. Und noch befindet sich der Chor im Umbruch. Ende 2007, nach der zweiten vorzeitigen Trennung von einem Dirigenten binnen zwei Jahren, stand der Liederkranz „am Nullpunkt, war nicht mehr singfähig“, so Vorsitzender Thomas Ehmann, Notenwartin Veronika Lutz, Angelika und Wolfgang Pfarr (Schriftführung und Kasse). Die einst gut 30-köpfige Sängerschar schmolz auf die Hälfte zusammen. Nicht nur aus Altersgründen. Die Verbliebenen entwarfen ein Flugblatt, fanden in Katrin Schwarz (* 1975) aus Plüderhausen eine Fachfrau, die sich für ein Projekt zur Verfügung stellte. Sie suchten nun Leute ohne besondere Vorkenntnisse, die ihre Stimme kennenlernen, sich wahrnehmen und wahrgenommen werden, sich auch in der Gruppe aus Peinlichkeitsgefühlen verabschieden wollten.
Willkommen beim „Projekt Stimmbildung“ waren also Menschen, die sich zuvor nicht trauten, die Stimme zu erheben, die auch nicht in einem fertigen, festgefügten, offiziellen Chor als Trottel dastehen wollten. Vermittelt wurde bei einfachen Liedern wie „Let it be“, dass Stimme, Atem und Körper eine Einheit sind, wie wichtig Haltung ist, dass Singen, das Herz und Seele Raum bietet, auch Freude macht und Belastungen ausgleicht.
Letztlich stießen bei den Projekten – „The Armed Man“ ist schon das dritte – etliche junge Sängerinnen und auch Sänger hinzu. Im Projektchor sind’s annähernd 40 Leute.

Die Frage für den Liederkranz-Vorstand lautet nun:
Wie und wo ist die Balance zu finden zwischen dem Verein, dem Stammchor und den jungen Sängern?
Wie lässt sich das vereinen?